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Liebe Studenten, hier spricht der Präsident

03-06-2015 20:58
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Unlängst berichteten gleich mehrere deutsche Medien über den chinesischen Staatspräsidenten und seine Kommunikation mit Studenten. Unter anderem die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel: "SMS zur Schlafenszeit: Gruß vom Präsidenten". In Deutschland gilt der enge Kontakt des chinesischen Staatsoberhauptes mit der aufsteigenden Elite des Landes als bemerkenswert. Im Nachrichten-Magazin Der Spiegel fragte man: "Würde Angela Merkel solch eine SMS an Studenten schicken? Wohl kaum." In China hingegen befanden neben der Zeitung Global Times keine Medien das Ereignis für berichtenswert. Im Artikel ging es auch im Eigentlichen um etwas anderes, nämlich über das seltsame Interesse der Deutschen an der chinesischen Präsidentenkommunikation.

Ein kurzer Blick auf die Ereignisse: Seit gut einigen Tagen schon schickt Xi Jinping pünktlich um elf Uhr abends an Studenten der Fuzhou Universität eine SMS: "Lieber Student, hier spricht der Sandmann. Bitte vergiss nicht, um elf schlafen zu gehen! Onkel Xi schickt dich nun ins Bett, das ist gesund!"

Rund 400 Studenten der Wirtschaftsfakultät sind Nutznießer dieser besonderen präsidialen Zuwendung. Sie sind Teil eines "Schlafprojektes". Schlaf-Clubs gibt es inzwischen auch an zahlreichen anderen Universitäten. An der Jilin-Universität fasst eine Studentin enthusiastisch die Motivation hinter den Projekten zur "Schlafhygiene" zusammen: "Nicht der Wecker sollte es sein, der dich aufweckt. Es ist der Traum, der dich aus dem Bett holt!"

Gemeint sind hier allerdings nicht die persönlichen Träume oder Ziele, sondern vielmehr der "Chinesische Traum" - der "Zhongguo Meng". Dieses Projekt wurde von Xi Jinping 2013 ins Leben gerufen. In erster Linie bezieht sich der Traum auf das Engagement des einzelnen Staatsbürgers für den Gesamterfolg des Staates und seinen Aufstieg zur Weltmacht. Die Nachrichtenagentur Xinhua definiert in einer Abendsendung:

"In unserer Kindheit haben wir alle möglichen Formen von Träumen. Mit dem Älterwerden stehen unsere Träume zunehmend deutlich vor unseren Augen. In Hinblick auf die Karriere, die Familie, die Gesellschaft und selbst in Hinblick auf die Ideale und Ziele des Staates. Nehmen wir die Träume eines jeden Chinesen zusammen, dann entsteht daraus etwas Großes: Das Glück der Nation, in der jeder Chinese ein erfülltes Leben führt - der 'Chinesische Traum'."

In diesem Sinne setzt sich der Landesvater auch für die Gesundheit der Studenten ein. Die aufsteigende Elite soll genug Schlaf bekommen, um am nächsten Tag effektiv studieren zu können und künftig wichtige Beiträge für den Staat zu leisten.

Und es ist nicht das erste Mal, dass Xi Studenten mit Kurznachrichten animiert. Bereits 2010, als Xi den Vizeposten des Präsidenten der Volksrepublik innehatte, rief er einen Kommunikationsmodus ins Leben, der mit der festen Phrase "Xi Jinping schickt SMS" "Xi Jinping fa duanxin" in die Internetsprache eingegangen ist. Das Online-Wörterbuch Baidu definiert:

"Im Zuge des Aufbaus der Parteiarbeit in den unteren Kaderbereichen wurde offiziell eine Partei-Kommunikation mittels des Mobiltelefons eingerichtet. Im Rahmen des Projektes schickt Xi Jinping regelmäßig über eine Million SMS an niedere Kader, unter ihnen Grassroots-Beamte und Studenten-Beamte. Im Zentrum steht somit der Austausch zwischen den niederen Kadern und der höchsten politischen Ebene."

Die "Studenten-Beamten" sind bis heute landesweit im Einsatz, um die bäuerliche Bevölkerung bei ihrem Beitrag zum "Chinesischen Traum" zu unterstützen. Zur Förderung der Studenten bei ihrem Staatseinsatz schickt Xi Jinping regelmäßig Ermutigungs-SMS. Etwa zum chinesischen Neujahrsfest: "Im Namen der KP Chinas sende ich herzliche Grüße an alle Grassroots-Parteigenossen, Universitätsstudenten und Dorf-Beamte. Xi Jinping."

Chinesische Medien bewerteten diesen Einsatz unterschiedlich. Einige verwendeten den Ausdruck „Überraschungsgeschenk", andere vermuteten, dass Xi mit dieser bemerkenswerten Geste ein Zeichen setzen und sich die Gunst der Bevölkerung sichern wollte. Auch später hielt Xi Jinping diesen ungewöhnlichen Kontakt zum Volk aufrecht. In Einzelfällen wurde die Zuwendung gar etwas persönlicher. Etwa, wenn ein Studenten-Beamter ein besonderes Engagement gezeigt hat. Oder in Krankheitsfällen. Einer an Leukämie erkrankten Studentin, die in Yantai eingesetzt war, schrieb Xi: "(...) Über die Nachricht Deiner Genesung und die Wiederaufnahme der Arbeit habe ich mich sehr gefreut. Ich hoffe, dass Du auch in Zukunft gut für Dich sorgen kannst! Für die flächendeckende Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern auf dem Land ist eine gute Politik von Regierung und Partei notwendig – und ebenso der Einsatz und die Bemühungen von Abertausenden an niederen Kadern in ländlichen Regionen (…) Viele Grüße Xi Jinping

Eine Umfrage bestätigt, dass die Studenten die präsidiale Zuwendung voll und ganz zu schätzen wissen. Wie sieht es hingegen in umgekehrter Richtung aus? Wie können Studenten oder andere Staatsbürger mit der politischen Elite kommunizieren? Das ist eher kompliziert. In China gibt es "Shifangban" – eine Petitionsmethode, die oftmals aufgrund der eingeschränkten Funktionsweise in Kritik geraten ist. Aber das soll Thema eines anderen Beitrags sein.