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Die Jungferngöttinnen Nepals - Kummer hinter der Ehre

25-04-2016 12:25
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Die „lebenden Göttinnen“ werden in Nepal als Kumari (Dies bedeutet Jungferngöttin) bezeichnet. Ihre Geschichte geht auf die Malla-Dynastie im 16. Jahrhundert zurück und diese Dynastie wurde später von der Shah-Dynastie abgelöst. Seit jeher werden die Göttinnen von den Hinduisten sowie Buddhisten gemeinsam verehrt. Sowohl der König Nepals als auch die einfache Bevölkerung ist sehr fromm gegenüber den „lebenden Göttinnen“.

In Nepal steht die Kumari als Inkarnation eines Gottes in der menschlichen Welt für Reinheit. Diese Mädchen werden nach einem strengen Verfahren ausgewählt, wenn sie vier oder fünf Jahre alt sind, und müssen abgeschnitten von der Außenwelt zehn Jahre lang in einem Tempel leben. Dort dürfen sie kein familiäres Leben und keine Freunde haben, geschweige denn Liebesverhältnisse. Des Weiteren dürfen sie sich nicht mit anderen Menschen unterhalten und den Boden nicht berühren, weil es heißt, dass der Boden zu dreckig sei.

Das Auswahlverfahren der lebenden Göttinnen ist sehr strikt. Die Kandidatinnen sind etwa 4 bis 5 Jahre alt und allesamt Töchter der Adeligen, der Volksgruppe Sakya. Körperlich müssen sie einwandfrei sein und dürfen noch nie geblutet haben. Das Auswahlverfahren der Kumaris ist ähnlich wie das der Reinkarnation des Dalai Lama in Tibet. Eine Kumari muss 32 Merkmale des Glückes erfüllen. Selbst an die Farbe der Augen, die Form der Zähne sowie die Stimme beim Sprechen gibt es Anforderungen.

Jedoch gibt es hinter dieser scheinbaren Ehre Kummer und Leid, von denen kaum jemand weiß.Wenn die Göttinnen die erste Menstruation bekommen, dann ist es für sie an der Zeit zurückzutreten.Sobald sie den Ehrentitel Göttin verlieren, gelangen sie sofort auf den Boden der Tatsachen und ihr Leben wird auf der Stelle hart.Da sie kaum zur Schule gegangen ist und lange Zeit keinen Kontakt mit der Außenwelt gehabt hat, ist eine pensionierte Göttin auf die Unterstützung ihrer Eltern, Freunde sowie Wohltäter angewiesen.

Noch brutaler ist eine andere abergläubische Ansicht, dass eine Kumari binnen sechs Monaten an Bluthusten sterbe, wenn ein Mann sie heirate. Dies führt dazu, dass das Leben der pensionierten Kumaris noch einsamer wird. Aus diesem Grund haben früher viele Kumaris nach ihrem Rücktritt ihr ganzes Leben lang nicht geheiratet und allein gelebt.

Nun hat sich die Einstellung der Menschen etwas geändert. Sie wollen lieber, dass ihre Töchter in Zukunft Ingenieurinnen oder Ärztinnen werden. Aus diesem Grund verstecken manche Familien ihre Töchter, wenn ein Priester sie besucht.

(Editor:Soong)