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Gottgegebener Sprechgesang historischer Lieder

06-05-2015 23:11
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Der 24-jährige Sita Duoji hat eine bräunliche Haut und ein ausgeprägtes Gesicht. Er ist zurzeit der jüngste Sprechsänger von „Gesar“.

Er ist in einem durchschnittlichen Nomadenhaushalt im Kreis Banbar des Regierungsbezirks Chambo im Autonomen Gebiet Tibet geboren. Von klein auf lebt er mit seiner Mutter zusammen; sie leben davon, Vieh herumzutreiben. Als er 11 Jahre alt war, hat ein seltsamer Traum sein Schicksal geändert.

„Ich habe davon geträumt, auf einer Wiese voller Rinder und Schafe zu sein. Plötzlich wurde ich von bewaffneten Soldaten in ein Zelt gebracht. Mir wurde ein Stapel länglicher Bücher in meinen Mund gedrückt", sagte er.

Nachdem er aus Panik erwacht war, hatte Sita Dorje bemerkt, dass er wohl etwas auf dem Herzen hatte. Daraufhin wollte er unbedingt alles erzählen. Nachdem sich sein Tibetischlehrer alles angehört hatte, hat er herausgefunden, dass Sita Dorje das Epos „Gesar“ erzählte.

In den tibetischen Regionen sind viele Sprechsänger Analphabeten und haben den Sprechgesang nie gelernt. Die Tibeter glauben, dass sie durch Träume von Gott den Sprechgesang von „Gesar“ lernten. Wie Sita Dorje haben die Sprechsänger beim jeden Sprechsingen das Gefühl, dass sie auf dem Schlachtfeld der Zeit des Gesar-Königs wären. Sie drücken nur das aus, was sie sehen.

Sita Dorje wird immer älter und der Inhalt seines Sprechgesangs immer vielfältiger. Heute kann er schon Dutzende von Kapiteln des Epos „Gesar“. Außer dem Sprechgesang hat der junge Sita Dorje noch die Verwantwortung übernommen, das Epos zu tradieren.

Anders als die analphabetischen Künstler ist Sita Dorje ein Akademiker. Im Alltag zeichnet er mit seinen Schriften den Inhalt des Sprechgesangs auf und bietet häufig auf Einladungen von Radiosendern hin den Sprechgesang des Epos „Gesar“ dar.

„Die landwirtschaftlichen Nomaden vieler abgelegener Regionen hören gern Radio. Wenn dieses ausgezeichnete Epos in ihre Ohren gelangen kann, freue ich mich sehr!“, sagte er.

Das tibetische Epos „Gesar“ ist eins der längsten Epen auf der Welt. Es beschreibt, wie der Gesar-König, der legendäre Held der Tibeter, Dämonen schlägt und der Bevölkerung Glück bringt. Es wird als „Homerische Hymne des Orients“ gelobt. 2009 ist „Gesar“ erfolgreich in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden.

(Editor:Soong)