Startseite>Reise

Tibetische Dorfgasthäuser: Tourismus als Tor zu bescheidenem Wohlstand

12-06-2015 13:23
ChinaTibetOnline vergrößern +

Tibetische Gasthäuser, "Dorfhotels"... die vielfältige Tourismusindustrie hat in den autonomen tibetischen Bezirken der südwestchinesischen Provinz Sichuan mehr als 130.000 neue Jobs für Bauern und Hirten geschaffen. Im vergangenen Jahr empfingen die autonomen tibetischen Gemeinden in der Provinz Sichuan mehr als 8,9 Millionen Besucher. Der Tourismus brachte den Gemeinden insgesamt über 970 Millionen Yuan (142 Mio. Euro) an Einnahmen.

Im autonomen Bezirk Garze der Tibeter liegt das Dorf Qiaocun, das von immer mehr Touristen besucht wird. Allein in den letzten zwei bis drei Jahren hat sich die Entwicklung des Dorfes daher stark beschleunigt, und von den 144 Bauern- und Hirtenhaushalten haben 85 eine kleine Pension eröffnet, wodurch sich die Einnahmen pro Haushalt um durchschnittlich 20.000 Yuan (3.000 Euro) pro Jahr erhöht haben. Damit ist Qiaocun zu einem der beliebtesten Bergdörfer im Westen Sichuans geworden.

Dekyi ist stolzer Besitzer einer solchen Pension, und die Arbeit macht ihn wirklich glücklich. "Ich bin froh, dass ich letzten Monat die Anzahl der Zimmer erweitert habe, sonst wüsste ich gar nicht, wo ich an den Wochenenden die ganzen Gäste unterbringen soll.“

Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind die Tourismus-Einnahmen in den tibetischen Bezirken Sichuans mit 34 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum wieder stark gewachsen. Laut Hao Kangli, dem Direktor des Tourismusamts der Provinz Sichuan, ist die Branche längst schon einer der wichtigsten Faktoren für die sozioökonomische Weiterentwicklung der tibetischen Gebiete geworden.

Die tibetischen Bezirke in Sichuan haben allerlei verschieden Arten von Sehenswürdigkeiten und touristischen Ressourcen zu bieten. Seit Sichuan in den letzten Jahren mit dem Ausbau des Verkehrsnetzes im westlichen Teil der Provinz begonnen hat, haben sich die Verkehrsbedingungen in den tibetischen Bezirken deutlich verbessert. Ein immer größerer Teil der Natur- und Kulturlandschaft des Gebiets ist daher auch den Touristen zugänglich und bekannt.

Jedes Jahr kommen mehr als Tausend lokale Tibeter, um sich in den Familienpensionen ausbilden zu lassen: vom Management bis hin zur Zubereitung des Essens können sie hier alles, was zum Gastgewerbe dazugehört, lernen. "Das konkrete Beispiel des Managements einer Pension lässt diese Leute erkennen, wie wichtig es ist, sich weiterzubilden – immer mehr wollen das lernen." Seit die Haushalte in den Bergdörfern im Jahr 2000 damit begannen, ihre Häuser in Pensionen umzuwandeln, hat sich das durchschnittliche Einkommen der Dorfbewohner von 500 Yuan auf jetzt 10.000 Yuan (1500 Euro) pro Jahr erhöht. Zusammen mit all diesen Änderungen haben sich auch die traditionellen Ansichten der Menschen geändert.

In Ngawa hat Dorfbewohner Zi Siman ein Gästehaus mit zehn Zimmern eröffnet, von denen jedes mit Klimaanlage, Fernseher, Breitband-Internetanschluss und allem was man sonst so braucht ausgerüstet ist. "In meinem Dorf gibt es ein Gasthaus, das sogar mehrere Sterne hat – der Eigentümer hat ein Netto-Einkommen von über 200.000 Yuan im Jahr." Vor 5 Jahren habe man im Dorf eine Pensionsgenossenschaft gegründet, und heutzutage sei die Zahl derer, die es zu bescheidenem Wohlstand geschafft hätten, schon gar nicht mehr so klein. "Unser Dank gebührt vor allem der Regierung, die uns dabei geholfen hat, die Infrastruktur für den Tourismus auszubauen, Entwicklungspläne aufzustellen und so viele Wege für uns geschaffen hat, mehr Geld zu verdienen."